Land Grabbing Videos Nr. 1 (Sierra Leone) und Nr. 2 (Äthiopien):

Der LandGrabbingArbeitskreis der InitiativGruppe hat sich am Donnerstag einige YouTubes angeschaut und über sie diskutiert – über ihren Inhalt und über ihren möglichen Einsatz bei Veranstaltungen.

Hier Nummer 1.

Wie durch das Landraffen eine Zeitbombe entsteht.

In diesen 11 Minuten erfährt jemand, der mit dem Thema noch nicht vertraut ist, anschaulich, worum es geht. Man kann sich hineinfühlen in den Zusammenhang, da menschliche Schicksale im Zentrum stehen.

Eine europäische Firma, ADDAX Bioenergy, handelt Bauern in Sierra Leone ein großes Gebiet fruchtbaren Landes ab – offensichtlich zu einem sehr niedrigen Preis und mit allerlei Versprechungen, die sich dann nicht realisieren. Es sieht so aus, als ob sich die Bauern – unerfahren im Verhandeln mit den juristischen Superprofis der Firma – hätten über den Tisch ziehen lassen. Außerdem scheinen Teile des Vertrags nicht eingehalten zu werden: die 2.000 Arbeitsplätze, die versprochen wurden, erweisen sich als Schimäre.

Das Drama betrifft ca. 14.000 Menschen. Die stehen vor dem Nichts. Wie sollen sie sich jetzt ernähren?

ADDAX hat das Land aufgekauft, um dort Zuckerrohr anzubauen – Biosprit für den europäischen Markt soll daraus entstehen.

In einem Land, in dem viele hungern, wird Landwirtschaftsfläche für den Export verwendet, von dem die Einheimischen kaum einen Gewinn haben.

Wie hoch ist der Nutzen für die Bauern?  Was genau gewinnen sie? – Diese Frage hätte der Interviewer dem Sprecher der Firma noch stellen sollen. Macht ADDAX eine genaue Berechnung darüber, was die Bauern bei der Sache gewinnen? Es sieht nicht so aus. Der Gewinn wird nur behauptet, er wird nicht sichtbar – und von dem Film zumindest teilweise widerlegt.

Für 50 Jahre ist das Land verpachtet – und ADDAX kann damit nun machen, was es will, auch die Leute umsiedeln, das Wasser verschmutzen … Die Bauern bekommen 1 Franken pro Person und Monat als Pacht. Dazu – angeblich – Jobs, ein Krankenhaus und einige andere Infrastruktureinrichtungen. Irgendwann einmal? Auch Reisfelder, aber der Anbau dort scheint nicht zu klappen.

Die vermutlich ca. 3.000 Familien leben von schätzungsweise 1 bis 2 Dollar pro Tag. Wären es nicht peanuts für ADDAX, den Leuten wenigstens so viel Pacht zu zahlen? Oder besser, dafür zu sorgen, dass sie das tatsächlich durch das Projekt verdienen können?

Warum stellt ADDAX nicht sicher, dass sich das Leben der Bauern wirklich bessert? Wäre es nicht auch für das Image der Firma günstiger, wenn sie auf diese Weise unseren europäischen ethischen Ansprüchen näher käme?

Es wäre eigentlich die Aufgabe der Regierung Sierra Leones, ihre Bürger zu schützen und für faire Verträge zu sorgen. Aber die Bürger solcher Länder haben nicht das Privileg einer Regierung, die ihnen und ihren Interessen dient.

Unsere Konzerne nutzen das schamlos aus.

Unklar bleibt auch, ob das Land Sierra Leone selbst irgend einen Gewinn von der Produktion und dem Export des Zuckerrohrs bzw. Biosprits haben wird.

Ein paar Personen in höheren Rängen werden vermutlich per Bestechung gut verdient haben an dem hier geschilderten Landverkauf.

Es hat Gründe, warum der Staat und die Firma die Vorgänge rund um den Vertrag so intransparent wie möglich halten.

Neokolonialismus nennt es die UNO.

Zum Schluss bleibt die Frage: Was sollen jetzt die 14.000 Bauern ohne Land machen? Auswandern? Vielleicht einige ihrer jungen, dynamischen Leute nach Europa schicken, damit sie hier versuchen, etwas Geld zu verdienen, von dem sie einen Teil an ihre Familien in Sierra Leone überweisen können?

Der Film gibt noch eine andere, explosivere Antwort: Da ist eine Zeitbombe im Entstehen.

Auch wir Europäer werden UNSER verantwortungsloses Handeln noch zu spüren bekommen.

Nummer 2

Landraffer in Äthiopien

Eine gute Ergänzung zum ersten Film. 5 Minuten, vom selben Team gedreht, mit einer – sinnvollen – Überschneidung.

Es geht noch schlimmer als in dem Beispiel ADDAX-Sierra Leone. In Äthiopien greift sich der Staat das Gemeindeland, auf dem die Bauern wirtschaften, und verpachtet es an Investoren – ohne Entschädigung für die Bauern.

Mit Waffen werden die verzweifelten Bauern davon abgehalten, sich dagegen zu wehren.

Außer einigen Angehörigen der äthiopischen Elite nutzt der Landraub nur dem Investor und den dahinter stehenden Spekulanten.

Beteiligt sind auch deutsche Investmentfonds.

Die internationalen Zusammenhänge werden in diesem YouTube noch deutlicher.

Auch, worin die Alternative bestünde: in der Förderung von Kleinbauern. Die brauchen Technik, Marktzugang, Kredite. Die Investoren und Spekulanten müssten gezwungen werden, auch in das Wohlergehen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zu investieren, wenn sie ihre eigenen Investitionen tätigen wollen.

— —

Fortsetzung folgt.

11 Antworten

  1. “ADDAX hat das Land aufgekauft, um dort Zuckerrohr anzubauen – Biosprit für den europäischen Markt soll daraus entstehen.”

    Ein paar Verstädnisfragen: Europäische Firma–ist sie jetzt deutsch, britisch oder französisch oder was? Zudem sieht man ja, dass die Ökologisierung der Moblilität–Biospirt–fatale Auswirkungen hat.Wird dieser Biosprit auch in Europa oder Deutschland gebraucht oder im eigenen Land wie z.B. in Brasilien (Zuckerrohr)? Aus was wird eigentlich E-10 hergestellt?

  2. Es ist eine Schweizer, also eine europäische Firma. Anzunehmen, dass ADDAX seinen auf Sierra-Leone-Landgrabbing basierenden Biosprit auch in München anbieten wird.

    Ich würde der Firma dringend empfehlen, die Verhältnisse vor Ort so zu verbessern, dass auch ein skeptischer Beobachter in 5 Jahren glückliche Gesichter und echte Dankbarkeit unter den 14.000 Menschen vorfinden wird, die ihr Land an ADDAX verpachtet haben.

    Die andere Seite ist: Lässt sich Biosprit von uns aus verhindern?

  3. Da musst du ja mal bei deiner eigenen Partei, den Grünen nachfragen, wie die Biosprit sehen und ob sie den Zusammenhang mit dem Land Grabbing sehen.Haupttendenz bei den Grünen scheint jedoch die Elektromobilität zu sein, nicht Biosprit. DER Befürworter vbon Biosprit war ja der verstorbene Hermann Scheer (SPD).Ich weiss nicht, wie die SPD, die Grünen oder die Linkspartei zu Biosprit stehen.

  4. Aber ist E-10 jetzt Biosprit oder nicht? Asu was wird es denn hergestellt? Ich glaube nicht aus Zuckerrohr, bin mir aber nicht sicher.

  5. Anscheinend scheint es sich bei E-10 um Biokraftstoff zu handeln, wie folgende Ausführungen beweisen:

    http://www.dat.de/e10liste/e10vertraeglichkeit.pdf

  6. E 10 war ja höchst umstritten—Vorreiter:BILD. Nicht aus ökologischen oder Landgrabbinggründen, sondern weil E-10 EU-Abzocke sei und dazu des Deutschen geliebtesten Automotor schädige. Zeit, die Debatte um E-10 einmal um andere Aspekte zu erweitern!!!

  7. Dass ich gegen Biosprit bin, das ist es, was mich auf die Frage bringt, ob sich Biosprit von uns aus verhindern lässt.

    Mit E-10 kenne ich mich nicht aus.

  8. Ebenfalls schädlich: deutsche Botschaften und Stiftungen, die in anderen Staaten dafür werben, auch noch selbst mitzumachen bei dem globalen Wahnsinn.

  9. Wär eine feine Aufgabe für Journalisten, unseren Botschaften und den Stiftungen nachzugehen und herauszufinden, wer da wie beim Landraffen mitspielt. Wär auch fein, wenn unser Geheimdienst namens Verfassungsschutz sich hier betätigen würde – schließlich agiert hier auch deutsches Geld verfassungswidrig.

  10. Ich möchte auf keinen Fall, daß der Verfassungsschutz sich da einschaltet, nicht daß nachher noch in Kambodscha Anti-Landgrabbing-Aktivisten in völlig vereinzelten Einzelfällen einzeln erschossen werden,
    und dann legt der nichts gemerkt habende Überwacher bevor er geht noch die 5 Cent für die Mangos auf den Verkaufstisch.

  11. Häufig leben die Bauern in dem Land seit Jahrhunderten, haben aber nie eine Besitzurkunde erhalten. Somit werden sie einfach vertrieben und erhalten keinerlei Entschädigung. Das Geld für die Pacht wird wahrscheinlich nicht an die Bevölkerung weitergeleitet. Im Grunde stellt sich auch die Frage wieso eine Firma bei einem Staat Land kaufen kann, wenn dieser Demokratisch nicht legitimiert ist und warum die Menschen die auf diesem Land leben sich an dieses Abkommen halten sollten.

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