Wulffsjagd

Nicht in meinem Revier.

Ich hab bisher nichts über die Wulffsjagd geschrieben, trotz der Querverbindung zum Thema Integration.

Meine eigene Meinung zur Sache wird von Sprengsatz in Worte gefasst. (Michael Spreng hat an die 10 Kommentare dazu auf seinem Blog.)

Über Spreng hinaus gehend sag ich: Der Fall ist Peanuts. Eigentlich. Angesichts der wirklich heißen Themen wie die Finanzkrise und die Verfassungsschutzkrise.

1

Die entscheidende Frage stellt Hatice Akyün (zitiert nach der taz):

“Wer von den Verantwortlichen, die zehn Neonazi-Morde geschehen ließen, ist denn bis jetzt zurückgetreten?”

Für die Muslime ist Wulff ein Hoffnungsträger, dank seines berühmten Satzes, dass der Islam nun auch zu Deutschland gehöre.

Aus diesem Blickwinkel wird Wulff  vom MiGAZIN verteidigt:

U. a. von Ekrem Senol, dem Chefredakteur: “Lasst unseren Bundespräsidenten in Ruhe!”

Senol fragt sich, wieso man so viel weniger auf den ersten Seiten und vorneweg vom größten Geheimdienstskandal Deutschlands spricht – als von den – vergleichweise – Bagatellen eines Vorzugskredits und seines Verschweigens.

Werner Felten vertieft diesen Punkt: “Der Bundespräsident soll zurücktreten. Und wer tritt den Verfassungsschutz?”

In der Tat: Man vergleiche den Berichtsumfang und die Platzierung. Vielleicht rechnet das mal jemand aus. Beide Themen kamen und kommen prominent, aber die Angelegenheiten des Bundespräsidenten deutlich häufiger, ausführlicher und besser platziert.

Warum machen die Medien das so? Am Interesse der Bürger liegt es eher nicht – die haben sich bisher recht zurückhaltend geäußert und sich mehrheitlich nicht der Meinung, dass die Wulffs Verfehlungen zum Rücktritt reichen.

Es scheint da ein (oligopolistisches?) Zusammenspiel zwischen BILD, dem Spiegel und der Süddeutschen Zeitung zu geben … Wie BILD das Thema am Kochen hält, darüber informiert u. a. Sprengsatz: Am Tropf von BILD.

Yasin Bas fragt im MiGAZIN: Wieso wird Bundespräsident Wulff so erbarmungslos angegriffen?

Wulff ist der Präsident der Integration. Der Autor schildert seinen Werdegang von Osnabrück aus. Kann es sein, dass Wulffs konsequentes Engagement für Muslime und Integration mit ein Grund dafür ist, warum BILD ihn jetzt abschießen will? Auch seine besonders deutliche Solidarität mit den Opfern der erst jüngst aufgedeckten Mordserie?

Klaus Bade, der führende Integrations-Fachmann Deutschlands, gibt seinen MiGAZIN-Artikel zum Integrationsgipfel demonstrativ den Titel: “Bundespräsident Wulff war mutiger und klarer als die Bundesregierung.

Er vergleicht die Integrationsrede des Bundespräsidenten mit der Rede der Bundeskanzlerin bei jüngsten “Integrationsgipfel”:

Der vierte ‘Integrationsgipfel’ war eine Mischung von Zuckerbrot und Peitsche, bei dem die Bundeskanzlerin zur Abwechslung schon mal in umgekehrter Wortfolge von ‘Fordern und Fördern’ sprach. …

Millionen Einwanderer haben sich jahrzehntelang in diesem Land still und erfolgreich integriert, ohne dass Politik jenseits der kommunalen Ebene viel dazu beigetragen hätte. Angesichts dieser millionenfach erfolgreichen Integrationsbilanz sind diffuse Drohgebärden fehl am Platz, da sie die Falschen diskreditieren und demotivieren. Sogenannte ‚Integrationsverweigerer‘ sind die Ausnahmen. Sie bestätigen nur die Regel der weitgehend erfolgreichen Integration.

In der taz finden sich einige weitere Stimmen.

Viele Muslime seien “traurig” über die Art und Weise, wie Bundespräsident Christian Wulff demontiert werde, heißt es auch in der Deutschlandausgabe der türkischsprachigen Tageszeitung Zaman.

Die islamisch-konservative Zeitung zitiert den Sprecher des Koordinationsrats der Muslime, Bekir Alboga, der Wulff ein hohes Ansehen bescheinigt – “nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere auch auf internationale Ebene”.

Der Bundespräsident habe sehr gute Botschaften ausgesandt, um die Zugehörigkeit der Muslime zu Deutschland zu unterstreichen.

“Es wäre deshalb sehr schade, wenn er aufgrund politischer Intrigen diese Politik nicht mehr fortführen könnte.”

2

Der Fall – aus einem anderen Blickwinkel:

Sprengsatz beschreibt drastisch das Fehlverhalten des Ministerpräsidenten von Niedersachsen und des Bundespräsidenten. Der Mann hat das Vertrauen verspielt, das ein Bundespräsident für sein Amt braucht.

Vom Stamme Nimm charakterisiert ihn Sprengsatz. Setzen wir dies in einen größeren Zusammenhang:

Wenig bis nichts hat Wulff zur Europa- und Finanzkrise gesagt. Wie könnte er auch. Sein persönliches Verhalten in Finanzdingen verrät den Grund.

Ein Ministerpräsident von Niedersachsen, ein Bundespräsident – sie verdienen viel Geld, gemessen am Durchschnittseinkommen. Fast das 10fache, ungefähr. Aber diejenigen, mit denen man es als Spitzenpolitiker vor allem zu tun bekommt, die Großen und Mächtigen der Wirtschaft, verdienen wiederum das 10fache von dem, was ein Spitzenpolitiker verdient. Wenn’s reicht.

Der Politiker hat mehr Stress, mehr Arbeit. Er wirkt im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, steht ständig im Gewitter der Kritik. Die Superreichen und CEOs bleiben im Schatten, sie haben es leichter, manche von ihnen brauchen so gut wie gar nicht zu arbeiten – und kassieren dennoch Millionen; Milliarden in einigen Fällen.

Geld – das bedeutet Macht, das bedeutet Glamour, das bedeutet, man ist wer. Mit dem bescheidenen Einkommen des MP von Niedersachsen scheint man einen Freundschaftskredit zu brauchen, um sich wenigstens ein hübsches Häuschen leisten zu können.

Wulff hat sich des Reichtums der Geldmächtigen zu bedienen versucht. Er wollte auch ein wenig Teil haben …

Wenn die Entwicklung so weiter geht, dann werden unsere Politiker überwiegend Leitende Angestellte der Superreichen werden müssen. Der Übermacht der Milliarden widersteht kaum jemand – kein Kleinbürger und Spießbürger soll uns und sich selbst weis machen, dass er so viel Rückgrat hätte, der Verlockung des Geldes zu widerstehen.

Denen, die das Große Geld haben, gehören auch die Medien. Und damit die veröffentlichte Meinung.

Wulff muss irgend etwas Großes falsch gemacht haben. Anders ist es schwer zu erklären, warum er so in die Schusslinie gekommen ist.

Oder ist er nur ein Bauernopfer – Die Macht braucht etwas Ablenkung vom Finanzdesaster und vom Geheimdienstdesaster? Da hetzt man eben mal die Medienmeute auf den Wulff, weil der sich eine passende Blöße gegeben hat.

Achtet auf den Unterschied in den Dimensionen: Wulffs peinliche, aber marginale Sünden einerseits, die Ungeheuerlichkeit des Verfassungsschutzskandals sowie das die Grundfesten erschütternde Fiasko der Finanzmärkte mit den noch unabsehbaren Folgen.

Dieser Unterschied in der Dimension erlaubt es mir nicht, hier mit einer harmlosen Erklärung zu operieren, etwa der, dass unsere Medien eben mal ihre übliche Arbeit tun, nämlich einen Skandal ausschlachten.

30 Antworten

  1. @Ig
    zu 1:
    Dass jetzt Wulff wegen seiner migrantenfreundlichen Haltung von der BILD gestürzt wird, ist paranoide Verschwörungstheorie par excellence. Der verlinkte Artikel von Yasin Bas erwähnt selber, dass Wulff das Migartionsthema schon in seiner Zeit als niedersächsischer Oppositionspolitiker und Ministerpräsident wichtig war. Damals hatte der Mann eine sehr gute Presse bei BILD. Vgl. die BILD-Berichterstattung über seine Scheidung. Auch in seiner Zeit als Bundespräsident hat BILD meistens wohlwollend über ihn berichtet.
    Da jetzt eine Kampagne gene den Armen Mann sehen zu wollen, ist doch sehr weit hergeholt.
    Zum Wulff/Verfassungsschutz-Vergleich. Die Zeitungen brauchen immer neue Nahrung. Wulff ist in der BILD vollkommen von dem italienischen Schiffsunglück verdrängt worden.
    Rücktrittsforderungen wegen der Unfähigkeit des Verfassungsschutzes laufen auch ins Leere, da kein heutiger politischer Entscheidungsträger damals im Amt war. Und dass Otto Schily oder ein anderer Verantwortungsträger der Rot-Grünen-Bundesregierung (bei den Grünen sind doch noich ziemlich viele aktiv) sagt, da hätte er was falsch gemacht, ist nicht zu erwarten.
    Es gibt in der jüngeren Geschichte der BRD übrigens zwei Ministerpräsidenten, deren politische Karriere durch ähnliche Aktivitäten beendet worden ist: Lothar Späth und Wulffs Vor-Vorgänger, Gerhard Glogowski.

  2. @Ig
    Ihr Artikeltitel erinnert mich an das Reinhard Mey-Lied “Diplomatenjagd”:

    Ich habe mit den meyschen Diplomaten genausowenig Symnpathie wie mit Wulff. Wenn einer von diesen leuten bei seinen “Jagd-Aktivitäten” selber das Opfer wird, ist das doch nur Selbstverschulden. BILD UNSCHULDIG.

  3. Die Medien wissen schon, was sie prominent machen wollen und sollen und was nicht. Keine Frage, dass auch das Wulff-Thema prominent war und ist. Aber ich möchte gern mal sehen, wie die Proportionen hier verteilt sind. Eigentlich hat die Leute das Thema gar nicht so extrem interessiert, wie es gebracht wurde — so hab ich den Eindruck.

    Die Frage ist auch noch nicht beantwortet: Wieso gibt es in der Verfassungsschutz-Sache keine Rücktritte? Vom Kaliber her ist das doch 100 Mal größer. Weil hier der Bock den Gärtner, der Täter den Aufklärer spielt?

    Ich finde es schon gut, dass man die Freundschaftskredite Wulffs vor das Forum der Öffentlichkeit gebracht hat. Für einen, der Bundespräsident sein will, sind das Verfehlungen, die einen Rücktritt durchaus nahe legen. Aber man schaue sich an, wie hier etwas eher Kleines groß gemacht wird, während im Falle des Verfassungsschutzskandals etwas Großes durch die Medien eher kleiner gemacht wird.

  4. @Ig
    nochmal: Wer soll jetzt für das desaströsen Versagen des Verfassungsschutzes des Verfassungsschutzes unter den aktiv Verantwortlichen zurücktreten?
    Die damaligen politischen und verbeamteten Verantwortungsträger sind im Ruhestand.
    Soll jetzt Herr Friedrich (den mögen Sie ja sowieo nicht) sagen ich übernehme die politische Verantwortung für eine Sache mit der ich nichts zu tun hatte? Man könnte natürlich alle noch aktiven Propagangisten der Schröder/Fischer-regierung auffordern zehn Jahre lang die Schnauze zu halten.
    Das Problem bei der NaziMord-Serie ist dass sie medial einfach (ich bin jetzt zynisch) absolut beschiessen inszeniert war.
    Die Täter haben nie ein Signal beschickt, dass sie auf so einen Irsinnstripp waren. Auch in den “Medien” gab es in die Richtung nie irgendwelche Spekulationen.
    Die Story ist einfach durch den Selbstmord der Täter zu Ende und kann nur noch nachglühen.

  5. Die richtige Antwort auf den Verfassungsschutz-Skandal wäre es, wenn die Innenminister die ganze Behörde selber in Frage stellen würden. Das tun sie natürlich nicht. Sie sind ja selber Teil der Behörde.
    Also müssen wir Bürger es tun.

    War nicht eigentlich von vorne herein klar, dass EINE der möglichen Spuren der Rechtsextremismus war?
    Wieso haben Verfassungsschutz, Polizei, Innenminister und Medien – auch die Medien – diese Spur von vorne herein und kategorisch ausgeschlossen?

    Kein Wunder, dass dann auch in der Öffentlichkeit kein Verdacht in diese Richtung kommt.

    Das macht die Sache ganz besonders dramatisch.

    Und warum, so sagen Verfassungsschützer selber, sind sie nicht auf die Idee gekommen? – Weil sie es sich nicht vorstellen konnten! Weil sie es sich nicht vorstellen konnten!!
    Das heißt doch im Klartext: Sie haben die Rechtsextremisten für etwas missratene Kinder, aber nicht für ganz so schlimm gehalten. Drum haben sie auch ständig mit denen gekungelt, ihnen einen Teil ihres Betriebs finanziert, sie vor der Polizei geschützt …

    Was hätte man eigentlich gedacht, wenn etwa 9 jüdische Geschäftsleute auf die Weise abgeknallt worden wären, wie es bei den Türken (und dem Griechen) geschehen ist? Hätte man da auch angenommen, dass die Opfer vielleicht einer Mafia zum Opfer gefallen seien, bloß weil kein Täterschreiben dabei liegt?

    Die Blindheit gegen rechts ist noch nicht vorbei. Viele der Herren Innenminister und ihrer Behördenleiter glauben immer noch nicht, dass auf dem Boden der sarrazinischen Hasspredigten Mordtaten wachsen könnten. Dass diejenigen, die den Islam in Deutschland vernichten wollen (oder, wie Madrasa of Time, gleich auf der ganzen Welt!) das Klima für Morde schaffen.

    Das tun auch Hassprediger unter den Muslimen. Aber DARAUF hat der Verfassungsschutz 100 Augen. Da bleibt dann kein Auge mehr übrig für die viel größere Gefahr von rechts.

  6. Dieser Vergleich ist vollkommen unsinnig. Wenn irgendwelche Beamten beim Verfassungsschutz ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht haben, ist eine Dienstaufsichtsbeschwerde angebracht. Von diesen Leuten erwartet man, dass sie ihre Arbeit ordentlich machen, weiter nichts, ob sie persönlich integer sind, ist unwichtig, solange das keinen Einfluss auf ihre Arbeit hat.

    Ein Bundespräsident hat in erster Linie Repräsentative Funktion, er repräsentatiert natürlich auch bestimmte ethische Standards, denen sich das Gemeinwesen verpflichtet fühlt.

    Ich jedenfalls sehe mich nicht als Bürger eines Staates von Schnäppchenjägern und amigos, die sich gegenseitig begünstigen. Wie Wulff zum islam steht, ist da eher zweitrangig.

    Wahrscheinlich schießen die Muslime hier wieder mal ein Eigentor, denn der Gedanke, was das eigentlich für Leute sind, die mehr Akzeptanz für den Islam in Deutschland fordern, drängt sich natürlich auf.

  7. Fritz,
    nicht irgendwelche Beamte haben hier ihre Arbeit nicht richtig gemacht, sondern das ganze Amt und das ganze Innenministerium, also die ganze Behörde hat entweder versagt, was noch die freundlichste Interpretation ist, oder sogar mit den Rechtsextremisten und Mördern gekungelt – ein Verdacht, der im Raum steht angesichts der Details, die wir so nach und nach erfahren.

    Du betreibst also brav Täterschutz. Warum eigentlich? Was für Motive treiben dich? Die selben, die auch die Beamten vom Verfassungsschutz und Teile der Polizei und einige Innenminister dazu gebracht haben, 10 Jahre lang nichts zu bemerken?

    Wie steht es da mit DEINEN “ethischen Standards”?

    Wulff hat sich großzügig amtsbedingte Vorteile verschafft – das geht so nicht, vor allem nicht bei einem Bundespräsidenten. Er hätte zurücktreten sollen. Aber die Wulff-Affäre ist eine Kleinigkeit gegenüber dem Verfassungsschutz-Skandal.

    Ich hab das auch im obigen Artikel wieder dargestellt. Warum belässt du es bei der Bemerkung, es handle sich dabei nur um das eventuelle “unordentliche” Arbeiten einiger Beamter? DAS solltest du mal genauer begründen!

    Und wenn Muslime mal einem, der für sie was Gutes gesagt und getan hat, die Stange halten, dann spricht das für sie, oder? Es ist ein Zeichen dafür, dass sie zu uns dazugehören.

    Mehr als die Hälfte der Deutschen ist der Meinung, dass Wulff NICHT zurürckzutreten brauche. Und das nach diesem Medien-Bombardement. Wie kommt das nur?

  8. Ich glaube, es geht in den Medien weniger um die Dimension eines Skandals, sondern um die Möglichkeit der Skandalisierung, unabhängig von der Dimension. Und wenn, wie bei Wulff, jeden zweiten Tag was neues rauströpfelt, plus solch lustiger Sachen wie die Mailboxgeschichte, dann müssten sie mit der Watte gepudert sein, um das nicht aufzugreifen.

    Davon abgesehen, das mögen alles im einzelnen lässliche Sünden sein, aber es wird doch schon ein schönes Sittengemälde gezeichnet: Wulffs Freunde sind offenbar alles Multimillionäre, er macht mit denen Urlaub, er ist bei der BW-Bank als Quasi-Milliardär eingestuft, er lässt sich diverse Anzeigen bezahlen, er begründet den gemeinsamen Urlaub mit Maschmeier damit, dass “unsere Frauen sich mal wieder ungestört unterhalten wollten” etc. Dazu kommt, dass er nach außen hin das Bild des kleinkarierten Spießers vertritt, mit der Gardena-Dusche im Garten dieses Scheißhauses.

    Wulff ist offenbar der Prototyp des Langweilers, der nach oben kommen will und dabei die Hilfe reicher, einflussreicher Leute benutzt, dabei nach außen hin auf Moral und volkstümlich macht. Dass solche Typen demontiert werden, finde ich prima.

    Alleine für diese Erkenntnisse hat sich die Affäre gelohnt.

  9. Aber,
    Genova,
    auch bei den Ermittlungen im Verfassungsschutzskandal und bezüglich der NSU tröpfeln die Infos – aber sehr viel giftiger, sehr viel bösartigere …
    Wieso kommen die nicht genauso zum Zuge?
    Wieso titelt keine Zeitung die Sache mit den FÜNF V-Leuten im Umfeld der NSU? Garniert mit den naheliegenden Fragen? Wieso kommt das nicht als Meldung Nummmer 1 oder 2 in unseren Hauptnachrichten?

    Für wen ist die Wulff-Sache reizvoller als die NSU-Sache?

  10. Tja, ich glaube, dass in Sachen V-Schutz noch so einiges kommen wird. Wobei, wenn wir gerade dabei sind: Warum wird die stern-Geschichte vom Dezember totgeschwiegen? Dass Faksimile, das beweisen soll, das US-Geheimdienste vom Polizistenmord in Heilbronn wussten? Es herrscht da ein großes Schweigen, das völlig unangemessen ist.

    Vielleicht hilft uns da das Buch “Blödmaschinen” weiter, das du zumindest gekauft, wenn nicht sogar gelesen hast. Ist es eine Beschäftigung wert?

  11. Ich fürchte, dass für die Mehrzahl der Bundesbürger/innen die Wulff-Sache reizvoller ist als die NSU-Sache … leider .
    Das entspricht auch der Tatsache, dass die BILD-Zeitung die meistgelesene Tageszeitung ist.

    Danke für deinen Beitrag über Wulff !

    So ein Beitrag ist wichtig in Zeiten, wo die Medien hemmungslose Kampagnen und Schlammschlachten anzetteln können, und die Mehrheit der Bevölkerung ihnen Glauben schenkt.
    Selber denken ist nicht mehr angesagt, und eigentlich bekommen wir in der Mainstream-Medienlandschaft nur das zu lesen, zu hören und zu sehen, was geeignet ist, unsere Meinung in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

    Hat die Republik nicht genug riesengroße Probleme am Hals ?
    Die “Affäre Wulff” soll uns doch bloß von den wirklichen Problemen ablenken – und das funktioniert ja offensichtlich.

  12. In so einem Falle wie dem des Verfassungsschutzes bräuchte man einen publizistischen oder parlamentarischen Ankläger, also jemand, der öffentlichkeitswirksam jeden Tag hinter der Sache her ist, das Puzzle auf dem neuesten Stand hält, hartnäckig immer wieder die selben zentralen Fragen stellt und verbissen hinter dem Staat her ist.
    Warum will das niemand machen?

    Ich hab noch vage in Erinnerung, wie es war, als der Spiegel hinter dem Franz Joseph Strauf her war — und der arme Staat sich nicht mehr anders zu helfen wusste, als die bösen Augstein & Ahlers wegen Landesverrats zu verhaften — was zum Sturz des Ministers geführt hat — 1962. Das waren noch Zeiten! (Mein Vater war CSU-Lokalpolitiker und Strauß-Fan …)

    Blödmaschinen liegt auf dem Stapel der Bücher, die ich unbedingt schon gelesen haben wollte …

  13. Tja, früher hätte es geheissen:Walraff übernehmen Sie!!!Aber der investigative Journalismsu, ja selbst der SPIEGEL scheinen sich heutezutage nicht einmal mehr dafür zu interessieren und überlassen dies solchen Wirrköpfen wie dem Elsässer, der da quasi ein Monopol drauf hat.

  14. Ihr vergesst ein wenig, dass auch schon Köhler als Bundespräsident angegriffen wurde, weil er von dem “Monster” Finanzmarkt sprach und dazu Bundeswehreinsätze für die deutschen Wirtschaftsinteressen legitim fand (nichts anderes steht im übrigen im Wiessbuch des Verteidigungsministeriums, das unter rot-grün entstand).Es fällt schon auf, dass das Amt des Bundespräsidenten seit Köhler beliebtes Ziel von Angriffen ist.Das hatte es unter Weizsäcker und Herzog noch nicht gegeben.UND: An Merkel traut sich scheinbar keiner ran–ausser vielleicht ein paar schlechte Kabaristen.

  15. Weder Köhler noch Wulff waren bzw. sind starke Persönlichkeiten. Wäre de Maizière Bundespräsident, sähe das anders aus.

    Bei Gauck bin ich mir nicht sicher: Er hätte die Persönlichkeit, aber er wäre ein Integrationsfeind, fürchte ich – er ist ein nationalistisch ziemlich verengter Typ. Ich würde hier immer wieder gegen ihn schreiben müssen, obwohl ich andererseits seine Persönlichkeit durchaus schätze.

    De Maizière wird nicht Präsident werden wollen. Er wär die naheliegende CDU-Person für die Kanzlernachfolge.

  16. Gauck–Kotz. Dieser von rot-grün hervorgebrachte Kanidat war ja ein krasser Befürworter des Neoliberalsismus (er missbrauchte da imnmer wieder den Begriff der Freiheit und der Selbstverantwortung des Individuums dafür), des Sozialabaus und zumal Atomkraft befürworter. Bezeichnend, dass sich rot-grün diesen Kotzbrocken als ihren Kanidaten rausgesucht haben.Da istz mir Merkel-Wilff zehn mal lieber!!!

  17. Wofür steht eigentlich dein Wunschkanidat de Maizierre INHALTLICH–mal abgesehen von der Frage, ob er “eine starke Persönlichkeit” ist?
    Bisher ist doch überhaupot nichts bekannt über ihn und du legst dich da vorschnell fest–zumal glaube ich, dass Röttgen der Merkelnachfolger wird!

  18. @IG et Jakobiner
    worauf stützt sich Ihrer beide Annahme, dass Wulff abgehen wird?
    a) er selber hat bislang keinerlei Signale in dieser Richtung gegeben. Wäre auch für sein weiteres Leben ziemlich belastend. Der erste Bundespräsident, der in der ersten Amtszeit hinwirft.
    b) Die Bundeskanzlerin hat doch nicht das geringste Interesse schon wieder einen neuen Präsidneten zu wählen.

  19. “Der erste Bundespräsident, der in der ersten Amtszeit hinwirft.”

    Das wäre: Der zweite–gleich nach Köhler..daher meine Frage: Was hat die Halbwertszeiten deutscher Bundespräsidenten so reduziert und warum werden sie vor allem Ziel politischer Angriffe
    Meinetwegen kann er auch bleiben–diese Kasperlamt braucht es ohnehin nicht.

  20. Meiner Meinung hat sich die Mode entwicklet, den unbedeutendsten pollitischen Machthaber –eben den Bundespräsidenten-anzugreifen, da man sich an die eigentlichen Machthaber-politisch oder ökonomisch-ohnehin nicht mehr rantraut–ausser halt einige schlechte Kabaretsiten, die dann als Lachventil der Republik fungieren und Dampf ablassen.Die ganze Wulffdebatte ist also Feigheit vor dem Feinde!!!

  21. @Jakobiner
    der Kreissparkassendirektor war in seiner zweiten Amtszeit.
    Ob man jetzt daraus eine politische Regel des Präsidenten-Mobbings ableisten kann, glaube ich nicht. Köhler hat mangelden Respekt gegenüber seinem Amt beklagt, womit er wohl Kommentare von Politikern (u.a. Trittin) über seine politischenAussagen meinte.
    Wulff ist wegen Angelegenheiten aus seiner Vorpräsidentenzeit in der Bredouille.
    Übrigens sah sich auch schon Heinrich Lübke massiven medialen Speerfeuer ausgesetzt.

  22. Lübke wurde ja als KZ-Archtitekt denunziert, weil er einmal bei der Oragansiation Todt gearbeitet hat und dann wegen seines “Neger”-Auspruches. Seitdem blieben aber alle Bundespräsidenten von Kritik weitgehendst verschont.Bis eben seit Köhler–das sit doch schon seltsam. Und ich glaube eben schon: Man kanalsisert Kritik an Merkel durch Schattenschiessen auf ihr Geschöpf Wulff, da man –vor allem rot-grün– sich nicht an Merkel rantraut!!!

  23. De Maizière ist nicht MEIN Wunschkandidat. Wenn die CDU ihren (aus ihrer eigenen Sicht und unter dem Gesichtspunkt der Kompetenz) besten Mann abschieben wollen, dann werden sie ihn zum Präsidenten machen. Ich glaube, der würde dann das Amt sehr gut ausfüllen. MEIN Wunschkandidat wäre so jemand wie Cem Özdemir oder Navid Kermani.

    Auch Röttgen schielt eher in Richtung Kanzlerschaft.

    Bevor du das Amt des Bundespräsidenten abschaffst, Jakobiner, überleg doch erst einmal, ob nicht auch ein Günter Jauch oder der Gottschalk oder Maischberger oder Harald Schmidt oder Anne Will oder Maybrit Illner in Frage kämen. Oder der Beckenbauer! Nein, nicht Otto Wahlkes. Das ginge zu weit.

    Aber Georg Schramm, das wär einer!!! Unbedingt!

    Spaß beiseite.
    ICH finde, das Amt hat schon was, wenn man was draus macht. Auch Wulff ist es mal gelungen, in der Sache mit der Zugehörigkeit des Islams. Solche Zeichen kann man setzen, und dann kriegt man auch Gewicht.

    Vielleicht sollte man doch wieder dazu übergehen, einen elder statesman zu nominieren. Joschka Fischer vielleicht, oder Gerhard Schröder, die beiden kämen dann in Frage. Und die beiden, die hätten Gewicht, die würden Gehör finden, und die würden auch was sagen.

    Schäuble käme leider nicht in Frage, denn das Amt hat einen entschieden sportlichen Aspekt. Empfänge mit Händeschüttelei und dergleichen, dazu viele Reisen. Aber politisches Gewicht hätte der Mann auch, und das Hirn dazu.

    Cohn-Bendit fiele mir noch ein – auch einer MEINER Wunschkandidaten. Antje Vollmer auch.

    Ich merke allmählich, was für eine ziemlich beträchtliche Auswahl an interessanten Kandidaten wir hätten, wenn, ja, wenn ICH die Person auswählen dürfte …

  24. Ein Problem für jeden neuen Bundespräsidenen wäre, dass das Amt durch die nach dem Köhler-Rücktritt entfachte Kandidaten-Diskusssion Gauck vs. Wulff symbolisch unglaublich aufgeladen worden ist. Der Bundespräsident als quasi Gewissen und Vor-/Querdenker der Nation. Jeder, der nach einem Rücktritt von Wulff den Posten übernimmt, kann an dem Abgrund, der zwischen wirklichen Möglichkeiten des Amtes und medialen Erwartungen an das Amt klafft, nur scheitern.
    Schröder und Fischer hätten auch das Problem, dass beide nach der Beendigung ihrere politischen Karriere ziemlich lukrative Bearterposten in der Wirtschaft übernommen haben. Von nochmal ins politische Geschäft zurück zu kommen, ist ziemlich unmöglich (in der BRD).
    Für Ihre Kanditatenliste hätte ich auch noch einen Vorschlag:
    Hatice Akyün. Die Frau ist als Journalistin ein Medienprofi und wird von daher mediale Tumulte besser händeln können als ihre beiden Vorgänger. Daneben ist auch sehr eloquent (auch ein Plus gegenüber Köhler und Wulff), so dass von ihr die ein oder andere markante Rede zu erwarten wäre.
    Rein optisch wäre sie auch allen ihrer Kandidaten weit überlegen.

  25. Also, conring,
    bezüglich Hatice Akyün sind wir mal einer Meinung.
    Da das Amt auch mit Show zu tun hat, schadet gutes Aussehen weder beim Mann noch bei der Frau. Auch die Stimme sollte gut klingen.
    Das Problem könnte sein: Man muss schon einiges politisches Gewicht mitbringen ins Amt … Journalismus ist halt nur Musical, nicht Oper, und schon gar nicht Festspielhügel …

  26. @Ig
    die Menschen können doch mit ihren Aufgaben wachsen.
    Rene Kollo hat seine Karriere auch im Schlager gestartet und endete dann auf dem Festspielhügel.

  27. So viel Zeit lässt man jemandem IM AMT DES BUNDESPRÄSIDENTEN nicht. Da muss man von der ersten Stunde an das Hohe Amt wirkungsvoll verkörpern.

  28. Der Zeit-Faktor im Bundespräsidentenamt scheint mir überschätzt. Wichtig ist da doch eher, dass man sich selber positiv inszenieren kann und der Bevölkerung ein positives Gefühl vermitteln kann.
    Bei Wulff war doch auch ein Argument für seine Eignung, dass er ein “Politprofi” sei und eben kein Präsidenten-Azubi.
    Kollo hat sein Cross-Over (inklusive Grüner Hügel) in ca. 5 Jahren gemeistert. Für eine Opernsängerkarriere ein atemberaubendes Tempo. Natürlich gibt es in Wagnerianer-Kreisen Leute, die den Mann für vollkommen überschätzt halten.

  29. Es ist ja nicht nur die hochgehypte Wulffdiskussion, die uns nun schon seit WOCHEN vorgesetzt wird, sondern nun auch die ewige Berichterstattung um diesen dämlichen Traumcruiser–Trauschiff halt. Als geben es keine wichtigeren Themen mehr, wo gerade Frankreich und Österreich runtergestuft wurden, die Euro- und Finanzkrise sich entfaltet und ein halbseidener Kompromiss um eine Neonazidatei beschlssen wurde–mit Resultat: Die NSU und die Zwickauer würden sie auch damit nicht erfassen. Unglaublich!!!

  30. DAS Traumschiff geht unter–der neue Untergang der Titanic, der Kapitän in Frauenkelidung im ersten Rettungsschiff–worüber sich eben das breite Spektrum der reisefreudigsten Nation und BILD- und TUI-/Nechermann Otto Teutsch-Normnaltouri aufregen kann.

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